Ein Verein braucht Menschen wie dich

Laudatio für Vera Panoussopoulos, die an der Generalversammlung 2026 zum Ehrenmitglied gewählt wurde

 

In jedem (Sport-)Verein begegnet man ganz unterschiedlichen Charakteren. Grob lassen sich die Mitglieder in zwei Gruppen einteilen. Den grössten Teil bilden die «stillen» Mitglieder: Sie machen mit, schätzen das Vereinsleben und helfen gerne mit, wenn sie angefragt werden. Ohne sie würde ein Verein nicht funktionieren – und auch die Jahresbeiträge würden nicht bezahlt. Gleichzeitig braucht ein Verein aber ebenso jene Personen, die nachfragen, koordinieren, Aufgaben verteilen und Verantwortung übernehmen.

 

Dazu gehören Leiterinnen und Leiter, Vorstandsmitglieder oder Mitglieder eines Organisationskomitees, ebenso wie OK-Präsidentinnen und -Präsidenten oder Vereinspräsidien. Wer einmal in eine solche Rolle hineinwächst, entwickelt im Laufe der Zeit viele Fähigkeiten. Eine davon ist besonders entscheidend: die Fähigkeit, andere Menschen zu motivieren, Aufgaben zu übernehmen, die im ersten Moment vielleicht unbequem, langweilig oder mühsam erscheinen.

 

Ein Beispiel dafür ist die Suche nach jemandem, der am Chränzli – dem Turnerabend – die Toiletten auf Sauberkeit kontrolliert. Wer es schon einmal geschafft hat, jemanden für ein solches Ämtchen zu gewinnen, dürfte diese Leistung eigentlich problemlos im Lebenslauf aufführen – oder zumindest in der Instagram-Bio.

 

Doch das Delegieren von Aufgaben ist nur der erste Schritt. Danach geht die Arbeit weiter: Es gilt auch sicherzustellen, dass die Aufgaben tatsächlich erledigt werden. In dieser Rolle wird man gelegentlich zum freundlichen, aber hartnäckigen «Pain in the Ass».

 

Zum Glück lässt sich ein Teil dieser Kontrolle heute bequem über WhatsApp erledigen. Nachrichten wie diese dürften vielen bekannt vorkommen:

 

  • «Wann verschickst du das Protokoll?»
  • «Bitte schaut nochmals genau, dass ihr vier Disziplinen aus drei verschiedenen Sparten für den Jugendsporttag auswählt.»
  • «Du sagtest, du würdest morgen beim Saaldekorieren helfen?»

 

Ohne Menschen, die regelmässig solche Nachrichten verschicken, würde in einem Verein vieles gar nicht oder nur sehr langsam vorangehen.

 

Eine Person, die im Turnverein Hausen immer wieder genau solche Nachrichten verschickt hat – und daneben noch viel mehr geleistet hat –, möchte ich euch heute besonders gerne vorstellen.

Sie ist bereits seit frühester Kindheit im Turnverein aktiv. Ihr erstes Chränzli erlebte sie Anfang der 1990er-Jahre. Wer damals schon auf der Welt war, wird hier bewusst nicht gefragt.

 

Ihre Laufbahn im Turnverein verlief klassisch: vom MuKi-Turnen (Mutter-Kind-Turnen) über die Jugendriegen bis hin zur Aktivriege – und sie ist bis heute dabei. Das ist im Jahr 2026 keineswegs selbstverständlich, denn die Auswahl an Freizeitangeboten ist heute so gross wie nie zuvor.

 

Ihren ersten Einsatz für den Turnverein Hausen an einem Turnfest hatte sie 2005 mit der Leichtathletikriege. Seither sind zahlreiche weitere Turnfeste und Disziplinen dazugekommen. Sportlich wie organisatorisch war sie stets eine Art Joker – jemand, den man überall einsetzen konnte.

Sobald sie alt genug war, übernahm sie auch Verantwortung als Leiterin von Jugendriegen. Bereits mit etwa 14 Jahren stand sie vor der Gruppe und engagierte sich in der Nachwuchsarbeit.

Seither gab es kaum einen Anlass des Turnvereins, bei dem sie nicht in irgendeiner Form beteiligt war – sei es aktiv oder in einem Organisationskomitee. Beim Chränzli ist sie beispielsweise seit 2008 engagiert. 2008 war übrigens auch das Jahr der Fussball-Europameisterschaft der Männer in der Schweiz – gefühlt eine kleine Ewigkeit her.

 

Im Vorstand war sie seit 2011 zunächst als Beisitzerin tätig und anschliessend acht Jahre lang als Präsidentin des Turnvereins. In diese Zeit fiel auch das Jubiläumsjahr 2018, als der Turnverein sein 100-jähriges Bestehen feiern durfte. Ein Höhepunkt dieses Jahres war das Kantonale Schwingfest auf dem Flugplatz Hausen am Albis – ein Anlass, der allen Beteiligten unvergesslich geblieben ist.

Diese Aufzählung ist längst nicht vollständig. Der Autor könnte noch zahlreiche weitere Veranstaltungen nennen, bei denen sie mitorganisiert hat – etwa die Sportlerbar oder Skiweekends. Doch wichtiger als eine vollständige Liste ist die eigentliche Botschaft: Ein Verein braucht Menschen wie dich.

 

Es ist alles andere als selbstverständlich, wenige Stunden vor einer Geburt noch auf dem Sportplatz beim Aufbau des Jugendspieltages mitzuhelfen – und auf dem Weg ins Spital als OK-Präsidentin die letzten wichtigen Aufgaben zu delegieren. Ebenso bemerkenswert ist es, sich über so viele Jahre mit so viel Herzblut, Engagement und Charme für den Turnverein einzusetzen und dabei immer wieder andere zu motivieren – selbst an Tagen, an denen die eigene Motivation vielleicht nicht ganz so gross ist.

Für den Turnverein ist es ein grosses Glück, eine solche Persönlichkeit in seinen Reihen zu haben.

Deshalb beantrage ich der Generalversammlung, Vera Panoussopoulos zum Ehrenmitglied zu ernennen.

Sandro Morof