Donnerstag, 28.8.2025
Am Mittwochabend vor unserer Reise nach Solothurn werfe ich noch einen Blick auf den Regenradar und Oh Schreck, das heisst nichts Gutes für Donnerstagmorgen. Regen, nichts als Regen, Gewitter und nochmals Regen werden prognostiziert.
Am Donnerstagmorgen, schon um fünf Uhr stehe ich auf, einen Blick nach draussen und Oh Wunder, es regnet noch nicht. Um 06.30 Uhr fahre ich zur Bäckerei Pfyl, um für 8 Teilnehmer Kaffee und Gipfeli zu organisieren. Nachher mache ich mich zu Fuss auf den Weg zum Parkplatz Chratz. Es regnet immer noch nicht. Gleichzeitig mit mir taucht auch schon als erster Teilnehmer Andreas Müller auf, wenige Minuten später Albert Staub mit einem nigelnagelneuen neun Plätzer Bus. Kurze Zeit später, noch vor 07.00 Uhr sind alle acht Teilnehmer versammelt und geniessen Kaffee und Gipfeli.
Kurz nach sieben Uhr fahren wir ab in Richtung Grenchen. Kurz nach Sihlbrugg beginnt es zu regnen, ja schon bald zu schütten. Wie immer auf der Fahrt nach Luzern fahren wir bei Buchrain in einen Stau. Es dauert allerdings nicht lange und wir rollen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit weiter. Bevor wir auf die A2 einlenken, stecken wir schon wieder in einem Stau fest, diesmal allerdings etwas länger. Schon bald müssen wir eine Rettungsgasse bilden, denn ein Krankenwagen will nach vorne. Wir rollen langsam vorwärts, bis die beiden Fahrspuren auf eine reduziert werden. Ja, und nun sehen wir einen roten Wagen, die Schnauze stark eingedrückt, verkehrt auf der Fahrbahn stehen. Nach einer knappen halben Stunde haben wir endlich freie Fahrt.
Aber wie lange? Beim Autobahndreieck Härkingen stecken wir schon wieder fest. Mal schneller, mal langsamer tuckern wir in Richtung Solothurn. Kurz nach der ersten Ausfahrt Solothurn können wir unseren Bus ausprobieren. Endlich!
Mit 45 Minuten Verspätung, biegen wir nach Grenchen ab, wo Gipfeli und Kaffee im Restaurant Velodrome auf uns warten. Hier ist die einzige Radrennbahn der Schweiz, auf der noch Bahnfahrer trainieren, und internationale Rennen austragen. Nach Besichtigung einiger Bahnvelos kapern wir wieder unseren Bus und fahren weiter zum Parkplatz des Parktheaters.
Hier werden wir schon erwartet und gemeinsam schlendern wir zur Uhrenmanufaktur Fortis-Watches, wo wir von einer Dame und einem Herrn empfangen werden. Regenschirme und Jacken ablegen und schon befinden wir uns in einem Werkraum, in dem zwei Uhrmacher arbeiten. Der eine montiert eine Serie Uhren und der andere ist mit Reparaturen beschäftigt. Für eine Uhr benötigt er ungefähr einen halben Tag. Die Firma verlangt 420.00 Franken, zusätzlich werden die ausgewechselten Teile verrechnet.
1912 wurde die Firma von Walter Vogt gegründet. Seine Vision: Präzisionszeitmesser für die ganze Welt. In den 40er-Jahren kam Fortissimo auf den Markt, eine der ersten wasserdichten Armbanduhren. In all den Jahren war Fortis bekannt für die Qualität ihrer Uhren. In den 70er-Jahren kam Flipper, die erste Kunststoffuhr (Vorläufer der Swatch) auf den Markt. Fortis war bei allen Neuerungen der Armbanduhren immer an vorderster Front dabei. Ja, man verzettelte sich, was sich zu rächen begann. Fortis ging es schlecht und schlechter und 2018 kaufte Yupp Philipp, ein Deutscher Kaufmann die Firma. Ein neues Konzept musste her. Nur noch wenige Modelle sollten gebaut werden, dafür nur im höheren Preissegment.
Heute baut Fortis nur noch «Männeruhren», z.B. Flieger, Novonaut, Marinemaster, Vagabond und Stratoliner.
Es arbeiten etwa 15 Personen für die Firma, darunter fünf Uhrmacher. Diese fünf Mitarbeiter tragen die Firma. Zum Schluss zeigte man uns die ganze Kollektion an Uhren. Eine Fortis Uhr kostet zwischen knapp 2000 und 8000 Franken.
Nach 11/2 Stunden verlassen wir die Firma mit vielen bleibenden Eindrücken und spazieren zum Ortsmuseum, wo viel über das Leben in der Uhrenstadt gezeigt wird. Als Leckerbissen sehen wir auch einen kleinen Teil einer Rakete, die mit Fortis Uhren bestückt im Weltall war.
Pünktlich um 12.00 Uhr verlassen wir die sehr grüne Stadt Grenchen und fahren zur Talstation der Weissenstein Luftseilbahn. Der Nebel, der am Morgen bis ins Tal reichte, hat sich in der Zwischenzeit fast bis zum Gipfel zurückgezogen. Trotzdem sehen wir nicht sehr viel, denn es regnet immer noch leicht und von den Berner Alpen sieht man gar nichts. Das Hotel Weissenstein (1280 m ü. M.) ist nur wenige Meter von der Bergstation entfernt. Aussteigen und nach wenigen Metern betreten wir das Restaurant, wo wir erwartet werden.
Nach einem feinen Mittagessen verlassen wir das Hotel, um im Restaurant Sennhaus Kaffee und Dessert zu geniessen. Allerdings machen sich zwei einsame Wanderer, unser Präsident, Ernst Hottinger und unser Riegenleiter Charlie Tanner auf den Weg, um die vorgeschlagene Wanderung zum «Hinteren Weissenstein» unter die Füsse, bessergesagt unter die Schuhe zu nehmen. Es regnet nun nicht mehr, aber es ist ziemlich frisch.
Nach rund einer halben Stunde kommen auch die Wanderer zum verdienten Kaffee. Schon bald machen sich die beiden auf den Rückweg, um die restliche Mannschaft im Restaurant Sennhaus zu treffen. Und jetzt nochmals einen Kaffee geniessen, bevor wir hinauf zur Weissensteinbahn spazieren.
Leider hat sich das Wetter nicht gebessert. Es regnet nicht, aber im oberen Teil hat es noch Nebel und im unteren Teil hat man gute Sicht auf Solothurn und Umgebung. Die Alpen verstecken sich immer noch.
Nun fahren wir im Bus zur Tiefgarage Berntor in Solohurn. Wir schnappen unser Gepäck und tragen es ca. 100 Meter zum Hotel «An der Aare». Wir werden schon erwartet und erhalten unsere Zimmerschlüssel. Das Hotel ist ein altes Spital, was man an der Anordnung der Zimmer noch feststellen kann.
Eine halbe Stunde später sind wir unterwegs, um uns einen kleinen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Klein, aber fein. An der Solothurner «Riviera» genehmigen wir uns den wohlverdienten Aperitif, bevor wir zum Nachtessen ins Restaurant «Sommergarten Altes Spital» dislozieren. Zu unserem Leidwesen ist es zu kalt, um im wunderschönen Garten zu speisen.
Also essen wir notgedrungen im Innern. Nach einem guten Nachtessen und gemütlichem Zusammensein lassen wir gegen 23.00 Uhr den Tag ausklingen.
Freitag, 29.8.2025
Am Freitag ist um 08.00 Uhr frühstücken angesagt. Aber die ersten von uns sind schon früher da. Kurz vor 09.00 Uhr schlendern wir wieder mit Sack und Pack zur Tiefgarage und fahren zum Restaurant «Kreuzen», wo wir parkieren können.
Schon sind wir auf einem kleinen Spaziergang in die Verenaschlucht. Unseren Waldexperten schlagen die Herzen höher, denn sie sind hell begeistert vom Wald, sehr grün und vor allem haben viele Bäume lange, ganz gerade Stämme! Zuhinterst in der Schlucht befindet sich die Einsiedelei, bestehend aus zwei barocken Kapellen, der Ölberggrotte und der Einsiedelei, die von einem Eremiten bewohnt wird.
Nach der Enthauptung von Urs und Viktor, zwei thebäischen Legionären, reiste Verena, die Verlobte von Viktor, nach Solothurn. Unweit der Stadt, in einer wilden Schlucht, der heutigen Verenachlucht, fand sie Unterkunft. Während Jahren hauste sie da und pflegte Kranke. Die Kinder der Armen besuchten sie und hörten ihren Geschichten zu, währendem sie die Kinder wusch und kämmte. Von bösen und neidischen Menschen verfolgt, hielt es Verena nicht länger aus. Sie nahm Abschied von den Gräbern der beiden Thebäer und fuhr auf einem Mühlstein sitzend, flussabwärts, bis dorthin, wo die Aare in den Rhein mündet. Bis zu ihrem Tod im Jahre 344 lebte sie in Zurzach, wo sie begraben liegt.
Die Einsiedelei bestaunen, die beiden Kapellen besichtigen und schon geht es zurück nach Solothurn, denn um 10.30 Uhr haben wir eine Stadtführung, die beim Baseltor beginnt. Apropos Baseltor: In alle vier Himmelsrichtungen hatte es früher Stadttore, heute sind es noch drei. An allen vier Stadtausgängen gibt es heute dafür Tiefgaragen, denn die Stadt ist autofrei.
Nachdem wir die Tiefgarage verlassen und das Baseltor passiert haben, werden wir von unserem Stadtführer, Herr Kiefer angesprochen, ob wir die Männerriege Hausen a. A. seien. Wir kehren vor das Stadttor zurück und betrachten die Schanzen, die Stadtmauer und das Stadttor.
Die heute noch erhaltene Stadtmauer, die Ecktürme und Schanzen wurden im 16. Jahrhundert gebaut. Die Mauer wurde aus massiven Kalksteinquadern errichtet und verfügt über bis zu 4 Meter dicke Mauern. 1667 wurde mit dem Bau eines sternförmigen Schanzenrings nach französischem Vorbild begonnen. Die Bauarbeiten dauerten bis 1700 und sorgten dafür, dass sich Solothurn sehr stark verschuldete. Nach der Fertigstellung der Anlage wurde ein Gutachten über die Tauglichkeit erstellt. Das Resultat war ernüchternd, die Anlage erfüllte die Anforderungen nicht. Allerdings wurde das Verteidigungswerk nie auf die Probe gestellt.
Nach diesem Exkurs in die Vergangenheit schlendern wir an der St. Ursen-Kathedrale vorbei in Richtung Aare und kommen zur St. Peterskapelle.
Hier wird der beiden Märtyrer Urs und Viktor, zwei Thebäischen Legionären gedacht, die nach einem Massaker im heutigen St. Maurice nach Solothurn flüchteten, Diese wurden vom Stadthalter festgenommen und auf der Aare geköpft. Leiber und Köpfe fielen ins Wasser. Die beiden Leiber nahmen die Köpfe unter die Arme uns wateten zu einer Bucht, wo sich Christen heimlich trafen. Dort wurden sie begraben.
In der Kapelle besuchen wir im Keller, den wir durch eine Falltür erreichen, die Überreste früherer Gedenkstätten. Ja sogar ein Stück einer alten Strasse, mindestens einen halben Meter tiefer gelegen als die heutige, ist noch vorhanden.
Nun schlendern wir vorbei an vielen schönen alten Häusern, die wohlhabende Familien gebaut haben. Solothurn heisst auch die Ambassadorenstadt.
Ein Ambassador war ein Gesandter Frankreichs. Der erste Ambassador residierte 1530 in Solothurn. Seine wichtigste Aufgabe war es, Schweizer Söldner für die Französische Krone anzuwerben, ein sehr einträgliches Geschäft für die Ambassadoren und die wichtigsten politischen Führer Solothurns.1792 wurde der Vertrag gekündigt und der Französische Gesandte residierte zuerst in Baden, dann in Basel und ab 1799 in Bern.
Als nächstes schlendern wir entlang der Riviera von Solothurn, wo man viele Restaurants und Kneipen findet. So und jetzt geht es wieder hinauf in die Stadt bis zum Friedhofplatz. Früher, zur Römerzeit, war hier ein Friedhof, der ausserhalb der damaligen Stadtmauer lag, wie das heute noch in den muslimischen Ländern der Fall ist.
Als nächstes schlendern wir zum Zytgloggeturm. Er war nie bewohnt, diente aber vor allem als Wachturm. Es wurde nicht nach fremden Soldaten Ausschau gehalten, sondern nach ausbrechenden Feuern, was damals verheerend war, denn alle Häuser bestanden aus Holz. Nicht weit entfernt ist das Hotel Krone, die erste Wahl in Solothurn. Und schon stehen wir vor der St. Ursen-Kathedrale. Leider ist die Zeit schon vorbei und es reicht nicht mehr für einen Besuch.
Also verabschieden wir Herr Kiefer, der uns so viel Interessantes zu erzählen wusste.
So, jetzt haben wir alle Hunger, wir steigen in unseren Bus und ab geht die Fahrt nach Biberist, zum Restaurant Enge. Leider ist es immer noch zu kalt, um im Garten zu essen, also hinein ins Restaurant.
Auf der Speisekarte finden wir einige Salate und andere gute Sachen zur Auswahl. Ich und mehrere Kollegen entschliessen uns für einen Siedfleischsalat. Das Essen ist gut und preiswert. Nach einem Kaffee sitzen wir wieder im Bus.
Jetzt fahren wir nach Niederbuchsiten zur «Juraworld of Coffee». Aber oh weh, wir fahren schon wieder in einen Stau. 30 Minuten länger soll die Fahrt dauern. Bei der ersten Ausfahrt verlassen wir die Autobahn und fahren über die Landstrassen. Am Schluss haben wir nur noch 20 Minuten Verspätung. Aber kein Problem, wir werden trotzdem freundlich erwartet.
Nach wenigen Minuten können wir eintreten und werden von einer Kaffeebohne durch die Ausstellung geführt. Wir erfahren, wie die erste Kaffeebohne entdeckt wurde, wie der Kaffee von den arabischen Ländern nach Europa und in die übrige Welt seinen Weg fand. Anschliessend erfahren wir, wie die erste Kaffemaschine und weitere Modelle der Firma «Jura» entstanden. Es war sehr interessant. Bevor wir wieder nach draussen gelangen, befinden wir uns in einem Kinosaal. Die ersten beiden Reihen haben Stühle, die sich bewegen, die anderen sind fest am Boden verankert. Nun erleben wir einen Trickfilm, wie eine Kaffebohne ihre Heimat sucht und findet. Immer wieder werden wir auf unseren beweglichen Stühlen angehoben oder wir werden durchgeschüttelt.
Als nächstes werden wir zu Trophäen von Roger Federer geführt. An einer Wand sind alle seine Grand Slam Titel notiert, sowie seine Pokale ausgestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite sind Kästen angebracht, in denen Roger über sich und seinen Sport berichtet, Sehr sympathisch.
Zu guter Letzt landen wir im Kaffee. Ein Kaffee ist gratis, alles andere muss bezahlt werden. Es wird uns noch Patisserie präsentiert und einige Teilnehmer greifen zu. Mir sind sie zu süss.
Die Heimfahrt verläuft problemlos und pünktlich sind wir in Hausen a. A. Kurz vor dem Parkplatz Chratz bedankt sich unser Präsident bei mir für die Organisation und bei Albert Staub für das Fahren.
Der Reise- und Riegenleiter
Karl Tanner

Von links nach rechts: Heinz Kellenberger, Hans Baer, Ueli Baumann, Ernst Hottinger, Karl Tanner, Albert Staub, Heinz Schwarz und Andreas Müller

